Jahrelang wurde dieses Symptom einfach als „Algen“ abgetan.
In der Branche herrschte die weitverbreitete Ansicht, dass Nageldesigner die Verfärbungen zwar nicht entfernen könnten, diese aber keinesfalls ansteckend seien und künstliche Nagelprodukte bedenkenlos auf solche Nägel aufgetragen werden könnten. Diese Annahme wurde nicht einmal hinterfragt, als Kundinnen mit noch mehr Nägeln vorstellig wurden, die mit unansehnlichen grünen oder gräulich-grünen Flecken übersät waren.
Es ist an der Zeit, die Ursprünge dieser nicht nur kosmetisch unansehnlichen, sondern im schlimmsten Fall sogar infektiösen grünen Flecken genauer zu untersuchen.
Was verursacht das Grünnagelsyndrom?
Die häufigste Ursache für eine grüne Oberflächeninfektion auf der natürlichen Nagelplatte ist das Bakterium Pseudomonas aeruginosa.
Wo können wir diesem Bakterium begegnen?
Praktisch überall. Es kommt auf Menschen, Tieren, Pflanzen und sogar im Boden vor. Es gedeiht in feuchten Umgebungen wie Badewannen, Waschmaschinen und Geschirrspülern. In Gastronomiebetrieben, Schwimmbädern und Gesundheitseinrichtungen tritt es in hoher Konzentration auf. Trotzdem suchen nur wenige Menschen ärztliche Hilfe, da die Infektion typischerweise an den Nägeln ansonsten gesunder Personen auftritt. Auch bei Trägern künstlicher Nägel ist das Symptom weit verbreitet, doch nur wenige suchen ärztliche Hilfe, obwohl das Bakterium alles andere als harmlos ist. In schweren Fällen kann es zur Erblindung führen, wenn es in die Augen gelangt, und außerdem Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen oder sogar Infektionen der inneren Geschlechtsorgane verursachen. 
Wie lässt sich das Vorhandensein des Bakteriums auf den Nägeln nachweisen?
Bei der Diagnose zeigen sich durch visuelle Inspektion deutlich hellgrüne, hellgrüne, dunkelgrüne oder, in akuten Fällen, grünlich-braune Flecken. Normalerweise sind diese geruchlos. Riecht die grüne Nagelplatte jedoch ungewöhnlich, kann dies auf eine sekundäre Pilzinfektion hindeuten. Dieses Symptom kann auch an Nägeln auftreten, die nie künstlich verstärkt wurden, wenngleich seltener. Inzwischen hat sich dieses Phänomen zu einem ernstzunehmenden und besorgniserregenden Problem unter Trägerinnen künstlicher Nägel entwickelt, da die erwähnte bakterielle Infektion immer häufiger auftritt. Ältere oder chronisch kranke Menschen, insbesondere Krankenhauspatienten, sind besonders anfällig, aber auch gesunde Menschen ohne medizinische Behandlung können betroffen sein.
Wissenschaftliche Artikel weisen darauf hin, dass bereits eine gewisse Empfänglichkeit und der Kontakt mit dem Bakterium für eine Infektion ausreichen – beispielsweise durch Berühren des Wasserhahns in einer öffentlichen Toilette. Selbst Spritzwasser aus einem Waschbecken kann Bakterien übertragen. Ein hilfreicher Tipp ist, stets ein Hautdesinfektionsmittel mitzuführen und es nach jedem Besuch einer öffentlichen Toilette zu verwenden. Toiletten in medizinischen Einrichtungen, Institutionen, Tankstellen, Stadien und öffentlichen Bädern bergen diesbezüglich ein besonders hohes Risiko.
Wie können infektiöse Bakterien unter einen versiegelten künstlichen Nagel gelangen?
Es gibt im Wesentlichen zwei Szenarien.
- Zunächst gelangt bakterienhaltiges Wasser unter einen abgelösten künstlichen Nagel. Da der Erreger nahezu überall vorkommt, benötigt er lediglich geeignete Bedingungen zur Vermehrung. Dieses Bakterium bevorzugt Temperaturen zwischen 36 und 40 °C und Feuchtigkeit; es benötigt kein Licht zum Überleben. Nagelablösung stellt seit jeher ein erhebliches Risiko für Trägerinnen künstlicher Nägel dar. Daher müssen wir als Fachleute der Vorbeugung von Nagelablösung oder, falls sie auftritt, der sofortigen Rekonstruktion dienen. Es ist stets einfacher und besser, einen abgelösten Nagel zu ersetzen, als eine bakterielle Infektion zu riskieren und unseren Ruf zu gefährden. In diesem Fall trägt die Nageldesignerin fast immer die Verantwortung für den besorgniserregenden Zustand. Um dies zu verhindern, ist es ratsam, jede Kundin (idealerweise mit einer unterschriebenen Erklärung) darüber zu informieren, dass sie sich bei Verdacht auf oder Feststellung einer Nagelablösung umgehend an ihre Nageldesignerin wenden soll. Nicht nur Pseudomonas aeruginosa, sondern auch viele andere Bakterien und Pilze können sich unter einem abgelösten Nagel vermehren.
- Im zweiten Fall tritt während des Auffüllens oder Neuaufbringens von künstlichem Nagel auf einem scheinbar gut versiegelten Nagel ein grüner Fleck auf der Naturnagelplatte auf. In diesem Fall ist das Argument, dass etwas zwischen Naturnagel und künstlichem Nagel eingedrungen sein könnte, hinfällig.
Wie konnte sich das Bakterium also auf einer Oberfläche vermehren, die angeblich trocken und desinfiziert war?
Es könnte nur dann vorhanden sein, wenn es sich bei Ankunft des Kunden bereits auf dessen Hand/Nagel befand und durch unzureichende Desinfektion nicht beseitigt werden konnte. Alternativ könnten kontaminierte Instrumente es auf die Keratinschicht eingebracht haben.
Wie lässt sich eine bakterielle Infektion bei der Nagelverstärkung verhindern?
Mit gründlicherer und sorgfältigerer Desinfektion als je zuvor. Dies beginnt stets mit dem Händewaschen mit desinfizierender Flüssigseife und einer Nagelbürste. Das Auslassen dieses Schrittes birgt ein erhebliches Risiko vor Beginn jeglicher Hand- oder Nagelbehandlung. Mechanische Verunreinigungen müssen gemäß den geltenden Händewaschprotokollen gründlich aus den Hautfalten entfernt werden.
Wann sollten wir unsere Hände mit desinfizierender Seife waschen und wann reicht Händedesinfektionsmittel aus?
Händewaschen mit Seife ist ein mechanischer Reinigungsprozess: Flüssigseife wird 0,5–1 Minute lang in die Hände eingerieben, um alle Bereiche, einschließlich Nagelbetten, Fingerspitzen und Daumen, zu erreichen. Anschließend werden die Hände unter fließendem Wasser abgespült und mit einem Einweg-Papiertuch getrocknet. Selbst bei längerer Waschdauer reduziert dies die Anzahl der Krankheitserreger jedoch nicht ausreichend. Beim Schließen von Wasserhähnen ohne Hebel oder beim Berühren von Wassertropfen, die mit wasserliebenden Bakterien (wie Pseudomonas aeruginosa) besiedelt sind, können die Hände erneut kontaminiert werden. Daher sollte nach dem Händewaschen immer ein Breitband-Händedesinfektionsmittel in die Haut eingerieben werden. Dies wird sowohl vom Kunden als auch vom Personal erwartet. Desinfizierendes Händewaschen ist ein unerlässlicher erster Schritt vor jeder Behandlung. Wiederholen Sie die zweistufige Desinfektion (Händewaschen + Desinfektionsmittel) außerdem immer dann, wenn der Kunde seine Tasche oder Hosentasche berührt (dies sollte möglichst vermieden werden) oder die Toilette aufsucht. Feuchte Bereiche sollten täglich desinfiziert werden, da sie ein hohes Risiko für P. aeruginosa darstellen.
Sind alle gefährdet?
Glücklicherweise ist nicht jeder gefährdet. Da Pseudomonas aeruginosa nicht zur normalen Hautflora gehört, ist eine Infektion intakter Nägel selten. Die meisten Erreger siedeln sich auf beschädigten Nägeln an oder infizieren diese. Leider sind Verletzungen der natürlichen Nagelplatte in der Nagelbranche keine Seltenheit. Auch Stressfrakturen durch falsche Bewegungen oder die Wahl einer unpassenden Nagellänge können Probleme verursachen.
Jede Behandlung, jeder Eingriff und jede kosmetische Dienstleistung mit direktem Haut- oder Nagelkontakt muss unter Berücksichtigung aller Umstände mit einer gründlichen Desinfektion beginnen. Während der Behandlung sollten Kundinnen und Kunden vermeiden, andere Hautpartien, Nase, Ohren oder Kopfhaut zu berühren. Vor der Desinfektion sollten Sie alle Aktivitäten vermeiden, die Sie während der Behandlung einem neuen Infektionsrisiko aussetzen könnten.
Was passiert, wenn ein Kunde von einem anderen Techniker kommt und nach der Produktentfernung ein grüner Fleck festgestellt wird?
Jedes Symptom, das vom Normalzustand abweicht, ist ein Anzeichen für eine Erkrankung und stellt eine Kontraindikation für Nagelmodellagen, Gel-Lackierung oder jegliche Hand- und Nagelbehandlungen dar. Auch eine Infektion mit Pseudomonas aeruginosa ist eine Kontraindikation. Feilen (wodurch sich der Erreger nur weiter ausbreitet) oder die Verwendung säurehaltiger Primer, wie sie manche praktizieren, lösen das Problem nicht. Die Nageldesignerin kann die Infektion weder heilen noch beseitigen. Ein Facharzt wird eine Antibiotikabehandlung verschreiben, die nicht durch Desinfektionsmittel für den Hausgebrauch ersetzt werden kann. Nageldesignerinnen sind keine Ärzte und sollten solche Behandlungen nicht durchführen.
Führen Sie eine gründliche, zweistufige Desinfektion durch, informieren Sie Ihre Kundinnen über die richtige Pflege künstlicher Nägel und raten Sie ihnen, bei Ablösung umgehend eine Reparatur in Anspruch zu nehmen. Feilen Sie die Naturnagelplatte nicht zu dünn, da dies das Risiko einer Ablösung erhöht. Moderne Präparationstechniken vermeiden Kapillarblutungen und andere Nagelverletzungen. Die Einhaltung dieser Richtlinien kann das Risiko des durch Pseudomonas aeruginosa verursachten Grünnagelsyndroms nahezu vollständig ausschließen.
Zusammenfassung
Das sogenannte „Grünnagelsyndrom“ tritt in der Nagelbranche immer häufiger auf. Mit der richtigen Pflege, der Einhaltung von Hygieneregeln und der Aufklärung der Kundinnen und Kunden lässt es sich jedoch weitgehend vermeiden. Sollte dennoch ein grüner Fleck auftreten, versuchen Sie nicht, ihn selbst zu behandeln oder neue Produkte darüber aufzutragen – suchen Sie stattdessen einen Dermatologen auf. Nagelgesundheit ist unsere gemeinsame Verantwortung – denn Schönheit kann nur auf einer gesunden Basis dauerhaft und sicher sein.








